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Der Englingstein –
Einweihung am Sonntag Gaudete

Englingstein mit Ampel

Hell leuchtet der heilige Gral
vom Himmel her das Gnadenmeer
geopferten Lammes Pokal!
O, kommet zum heiligen Gral!

So klang es am Gaudete-Sonntag (der Sonntag Gaudete, 3. Adventssonntag, fiel im Jahre 1935 auf den 15.12.), von hellen Knabenstimmen gesungen, vom Kapellchen herauf. Das neue Grabmal unserer Heldensodalen wurde eingeweiht. – Wenn du heute nach Schönstatt kommst und stille Einkehr hältst bei den Gräbern am Heiligtum, dann sagen dir mächtige Quadersteine, daß da unten ein jugendlichkraftvolles Geschlecht ruht.

Das friedliche Stücklein Erde birgt ein lichtes Geheimnis. Die Schläfer sind nicht tot, sie leben mitten unter uns. Immer noch schaut unsere Jugend gläubig zu ihnen auf, immer noch entfachen sie in unseren Seelen eine flammende Bereitschaft für Schönstatt. Sie bleiben ewig jung, und darum wird das Herz des jungen Schönstatts ihnen immer entgegenschlagen.

So kam es, daß die Jungen mit Feuereifer darangingen, die Grabstätte umzugestalten. Viele Wochen hindurch wurde beim Kapellchen emsig geschafft. Freudig schleppten sie schwere Steinblöcke vom Steinbruch hinterm Bundesheim herbei. Das war kein Kinderspiel! Auch mußte eine neue Gruft ausgeschachtet werden. Die ganze Grabanlage wurde höhergelegt und vergrößert. Heute ist sie eingefaßt von festem Mauerwerk aus kleinen Quadern. In der Mitte liegen die beiden Hügel mit den schlichten schwarzen Kreuzen. Dahinter steht, hoch aufgerichtet, ein großer Felsblock, das Kreuz tragend. Fast demütig erscheinen seine kleineren Kameraden diesem trotzigen Gesellen gegenüber, der kraftvoll und wuchtig, unberührt von Hammer und Meißel, dasteht.

Meine Freude habe ich immer an ihm. Ist er nicht ein treffendes Abbild unserer schlafenden Helden? Fest und sicher standen auch sie in wildbewegter Kriegszeit und trugen ohne Wanken und Zagen das Kreuz hinaus in eine entwurzelte Zeit.

Teuer ist mir der ernste, graue Wächter aber vor allem deshalb, weil er mitten in seinem Herzen unsere Ampel trägt. Schreitest du im Dämmerschein über den Festplatz, dann ruft dich ihr kleines Licht zu stillem Gruß an das Grabmal unserer Helden. Wenn du näher trittst, erzählt sie dir von einem Schönstattkinde, das zur ewigen Ruhe in fremder Erde schläft. Kein Kreuz kündet seinen Namen, aber er lebt in unseren Herzen, unser Freund und Bruder Josef Engling.

Komm, wir schauen die Ampel einmal an. Siehst du auf buntem Glas das Schwert? „... Selbstheiligung verlange ich von euch. Sie ist der Panzer, den ihr anlegen, das Schwert, mit dem ihr für euere Wünsche kämpfen sollt ...“, heißt es in der Gründungsurkunde. Uns allen gilt das Wort. Aber kaum einer hat es so ernst genommen wie Josef Engling. Unerbittlich streng nahm er den Kleinkrieg auf gegen sich selbst. Zielsicher und mit zähem Willen ging er vorwärts.

Mit dem Schwert in der Hand steht er darum vor uns, aber auch gestützt auf seinen Schild. Erblickst du im farbigen Fenster den Schild? Das war die Gemeinschaft, in der er stand. Sie half ihm wohl aus seiner Stille heraus und über manche Schwerfälligkeiten hinweg, er aber schenkte ihr den ganzen Reichtum seiner reinen Seele. Wieviel Schwachheit und Elend mag er mit dem Schild seines Edelmutes gedeckt haben? Und – versuch es mal, noch heute, wenn du ihn vertrauend anrufst, wird er sicher und freudig helfen.

Und schwang er nicht eine lodernde Fackel? Das Feuer heiliger Begeisterung, inniger Liebe zur Dreimal wunderbaren Mutter brannte in seiner Seele. Ihr gehörte seine ganze Kraft, sein ganzes Können, ihr gehörte sein Denken und Wollen, ihr gehörte sein ganzes Sein. Selber eine brennende Fackel, entzündete er alle, die mit ihm waren. Siehst du in der Ampel die züngelnde Fackel?

Und über seinem Haupte wehte das Christusbanner. Das göttliche Kind hegte er in seinem Herzen, Gestalt und Leben gab er ihm, und hinaus trug er es zu den Vielen, die sehnsüchtig wartend an seinem Wege standen. Mit unendlicher Geduld und Güte tat er das, wenig Dank wurde ihm dafür, aber viel Spott und Hohn. Doch unermüdlich kämpfte er weiter, bis ihn die feindliche Kugel traf. – Schau, wie das Banner im vierten Felde der Ampel leuchtet!

In seinen Händen trägt er den Opferkelch. – In unserem Kapellchen ist ein Brunnen perlenden Gnadenweins, und wenn du davon trinkst, dann gehst du wundersam erquickt von dannen. An diesem deinem Glück wirkte auch Josef mit. Die Bausteine zu diesem Brunnen brachte er in unzählig vielen Opfern jeden Tag in unser kleines Heiligtum. Allen wollte er alles sein. So schenkte er sich restlos mit allem, was er hatte, seiner himmlischen Mutter, damit du und ich und wir alle Gnadenkinder würden. – Siehst du das Opferfeuer auf blinkender Schale im kleinen Fenster unserer Ampel?

Wir treten zurück von stiller Stätte, hinein in das Getriebe des Alltags. Aber in unserer Seele brennt ein Licht, das entzündet ist am heiligen Feuer unter rauschenden Tannen.

Wir tragen in unseren Herzen
Ein frohes und heiliges Licht.
Es lodert in unseren Seelen,
Es malt sich in unser Gesicht.
Die Lichter in unseren Herzen,
Die Gluten in unserer Hand,
Die Sonne in jubelnden Augen:
Ist Mutter von Schönstatt genannt.
Wir sind ihre kämpfende Jugend,
Sind Rufer aus Dunkel und Not.
Ihr halten wir ewige Treue,
Die Treue bis über den Tod.

A. Hein

www.urheiligtum.de - Die Website über das Urheiligtum der internationalen Schönstatt-Bewegung.

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