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Der Englingstein –
Einweihung am Sonntag Gaudete

Heimholung der Heldensodalen

„Der Sommer 1934 war ins Land gezogen. 20 Jahre waren vergangen, seitdem unser Kapellchen ein Heiligtum der Dreimal wunderbaren Mutter geworden. Während dieser Zeit war ein reicher Gnadensegen in alle deutschen Lande hinausgeströmt. Herzlich dankten wir dafür. Jeder Schönstätter wollte etwas Großes, etwas Besonderes tun. Vieles wurde geleistet. Aber die Jungen des Studienheimes setzten doch allem die Krone auf.

Den unternehmungslustigen Jungen kam der Gedanke, die gefallenen Heldensodalen heimzuholen. Das war ein schweres Stück Arbeit. Monatelang wurde das Ereignis vorbereitet. Der Geist der Gründergeneration war wieder eingekehrt in das große Haus auf dem Berge. Ein heißes Aufwärtsstreben setzte ein. Arbeit, Spiel, Sport, alles stand im Zeichen der Heimholung. Das Geschehen zog die ganze Schar vollkommen in seinen Bann, für nichts anderes mehr war Raum. Ernst wurde die Sache, als der Spielplatz zum Festhain umgestaltet wurde, um den heimkommenden Schönstattkindern ein würdiger Ruheplatz zu sein.

Am 13. August 1934 ging die Fahrt nach Frankreich los. Sie sollte Opfer kosten, deshalb stand das Ganze unter dem Motto: „Wir wollen als Helden die Helden heimholen.“ So fuhren sie denn ab, 45 Jungen, jeder geschwellt von dem Glück, dabeisein zu dürfen. Eng aneinandergedrückt, saßen sie auf dem Lieferwagen. Eine Luxusfahrt war das wahrhaftig nicht! Aber sie hielten die 5 Tage durch. Um die Strapazen zu erhöhen, gab's nur Frühstück und abends etwas Warmes. Dazu kam das recht zweifelhafte Nachtquartier. Teils mußte auf dem Fußboden, teils auf Tischen und Bänken, auf Heu und Stroh kampiert werden. Doch es war ja der Wunsch aller, soviel Entbehrungen wie möglich auf sich zu nehmen. Auch die Eindrücke auf den Schlachtfeldern verfehlten ihre Wirkung nicht. Das Leben unserer Heldensodalen und ihr heroisches Ringen standen auf einmal in ganz neuem Licht vor den empfänglichen Knabenseelen. Die Romantik war verlorengegangen, in etwa konnten sie die ernste Wirklichkeit nachempfinden. Über Veslud, wo Hans Wormer gefunden und ausgegraben wurde, ging es weiter zu dem Städtchen Neuville St. Vaast. Dort lag auf dem größten Friedhof der Westfront, „La Maison Blanche“, das Grab von Max Brunner. Nach vielen Hindernissen und mancherlei Aufregung – der zuerst Ausgegrabene war nicht der Gesuchte – gelang schließlich doch die Ausgrabung des Max. Sie spürten sichtlich das Walten der Dreimal wunderbaren Mutter.

Auf dem Rückweg standen auf dem Anhängerwagen die Särge mit unseren beiden toten Helden. Max Brunner und Hans Wormer kehrten heim in ihr deutsches Vaterland. Schweigend übernahmen jedesmal 4 Jungen, von links und rechts stehend, die Ehrenwache bei den Fahrtgenossen. In gewissen Abständen wurden auch auf dem Lieferwagen immer Zeiten des Schweigens eingesetzt, damit über dem wechselnden Landschaftsbild die Toten nicht vergessen wurden.

Freude herrschte in Schönstatt, als alle wohlbehalten wieder eintrafen und die Aufgabe so glänzend gelöst war. Unter großen Feierlichkeiten fand am 20. August 1934 die Beisetzung statt ...“

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