å Glockenweihe 1946 und Beisetzung der Urnen


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Glockenweihe 1946 und Beisetzung der Urnen

Aus: Schönstattquell 1/1947, S. 15 (Zweiter Bericht)

Es war so weit – die Glocken standen auf dem Berg. Man konnte sie sogar anschlagen, läuten lassen. Wer hätte es geglaubt, daß es noch glückte, solange die Teilnehmer der Oktoberwoche da waren! Im Programm spielten sie deshalb auch noch keine Rolle, sicher zum Leidwesen von H. H. P. Menningen und den Jungmännern, die in den letzten Wochen alles aufgeboten hatten, um den 18. Oktober – der Gottesmutter und der ganzen Schönstattfamilie zur Freude – einläuten zu können. Nun fand die viele Mühe ihren Lohn, und berechtigter Stolz erfüllte die junge Garde der Schönstattkönigin, die ihr als Dankesgabe für den Schutz der Schönstattheimat in schwerster Zeit die Glocken gestiftet und auf den Berg geschafft hatte.

Was lag näher, als nun auch alle, die die Krönungswoche mitmachten, an der Freude und dem Hochgefühl der Jungmänner teilnehmen zu lassen. Das Programm des 17. Oktober wurde deshalb um eine Nummer reicher. Andere geplante Veranstaltungen des Tages mußten zeitlich etwas verschoben werden. Das war nicht ganz so einfach, aber es glückte. Und schließlich waren alle froh, daß die Glocken und damit auch unsere wackeren Jungmänner gebührend gefeiert wurden. So pilgerten wir denn am Nachmittag gegen 3 Uhr in Scharen zum Spielplatz. Sogar die Sonne guckte ein wenig durch die Wolkenvorhänge. Sie wollte anscheinend auch ihr Interesse bekunden und dafür sorgen, daß es uns auf der luftigen Höhe nicht zu kalt würde. – Gelbweiße Fahnen und Tücher schmückten den Platz nahe dem Abhang gegen das Kapellchen zu. Dort hingen die vier Glocken in ihren eisernen Trägern 20 – 30 cm über dem Boden, silberglänzend, festlich geschmückt mit Eichenlaubkränzen. Bei der kleinsten war ein blauweißes Fähnchen aufgepflanzt, um sie als Marienglocke kenntlich zu machen. Wer frühzeitig da war, konnte noch die Inschriften des ganzen Geläutes entziffern:

CUM MARIA MATER ET REGINA NOSTRA
TER ADMIRABILIS
PER CHRISTUM FILIUM
IN SPIRITU SANCTO
AD DEUM PATREM
Mit Maria, unserer Dreimal wunderbaren Mutter und Königin
Durch Christus, den Sohn,
Im Heiligen Geiste
Zu Gott, dem Vater.

So weisen die Glocken hin auf unseren marianischliturgischen Weg: mit Maria durch Christus im Heiligen Geiste zum Vater – und bringen uns immer wieder zum Bewußtsein, daß wir in den ganzen übernatürlichen Organismus hineinwachsen sollen und dürfen.

Als der Beginn der Feierlichkeiten nahte, mußte der Platz um die Glocken frei werden. Seitlich stellte sich der Chor der Fratres von der Hochschule auf. Wer Zuschauer sein und wirklich etwas sehen wollte, der mußte entweder das Glück haben, gerade vorne zu sein oder die Gewandtheit, sich nach vorne zu drängen, auf die umstehenden Haselnußbäume zu klettern, oder am felsigen Abhang sich ein Fleckchen zu erobern, wo man stehen konnte. Die Übrigen konnten sich schon mal auf die Zehenspitzen erheben und zwischen Köpfen und Schultern hindurchgucken. Am besten aber war es, sie begnügten sich mit dem Hören.

Für den Redner hatte man eine kleine ebene Plattform am Abhang als „Kanzel“ vorgesehen, von wo aus sich gut sprechen ließ. Die felsige Rückwand war sogar mit Tannengrün verkleidet, und ein treppenartiger Aufgang war eigens geschaffen worden ...

Der Priester kommt und schaut mit sichtlicher Freude über den Platz hin. Er legt Rochett und Stola an; der weiße Chormantel wird ihm umgehangen. Die Paten, Vertreter der einzelnen Stände, stellen sich zu ihren Glocken. Jungmänner halten die Kongregationsfahne. Zur Einstimmung singen die Fratres den sehr schönen Chor: „Vom Jubel froh der Äther tönt ...“ Darauf folgt ein Glockenspruch:

Glocken künden, Glocken rufen,
Glocken erfüllen mit Weihe das Land.
Vier eherne Beter, vier eherne Rufer
verbindet der heiligsten Worte Band.

Sie läuten zusammen, sie rufen zugleich
Hinein in die Herzen, ins Schönstattreich:

Mit Maria, der Mutter und Herrin hehr,
gehet durch Christus, den Sohn,
im Heiligen Geiste
zum Vater auf ewigem Thron.

Und nun vollzieht sich der Ritus der Weihe. Er enthält eine Reihe von Psalmen und zwei sehr schöne Gebete. So heißt es im ersten:

... Gewähre, wir bitten, daß diese Glocke ... von dem Heiligen Geiste durch meinen demütigen Dienst geheiligt werde, damit durch ihr Geläute die Gläubigen zur Kirche geladen werden und zum überirdischen Lohn. Und wenn ihr Klang an die Ohren der Leute dringt, so möge in diesen die gläubige Frömmigkeit wachsen, alle Nachstellungen des bösen Feindes mögen fern gehalten, Hagel und Ungewitter und Blitzgefahr mögen gebannt werden; die Kraft deiner Hand zerschmettere die Gewalten der Lüfte, auf daß sie beim Klang dieser Glocken erzittern und fliehen und vor dem Zeichen des Kreuzes, das darauf abgebildet ist ...

Nach diesem Gebet legt der Priester Weihrauch ins Rauchfaß. Dann schreitet er von einer Glocke zur andern und besprengt sie mit Weihwasser, während der Chor rezitiert: „Asperges me, Domine, ... Besprenge mich, Herr, mit heiligem Naß, so werde ich rein; du wasche mich, und weißer bin ich als der Schnee!“ Und wieder schreitet der Priester von Glocke zu Glocke. Er beräuchert jede, und der Chor rezitiert: „Dirigatur, Domine, oratio mea ... Aufsteige mein Gebet wie Weihrauch vor deinem Angesicht.“

Nun folgt das zweite Gebet. Wie schön sind doch die Worte:

...Gieße über diese Glocke den Tau des Heiligen Geistes aus, auf daß vor ihrem Klange immer der böse Feind fliehe; sie lade das christliche Volk zum Glauben ein, schrecke die Heerschar des Feindes, stärke das Volk, das sie zusammenruft, im Herrn, und wie durch die Harfe Davids erfreut, steige der Heilige Geist herab; und wie damals, als Samuel zum Opfer des ewigen Königs das Mutterlamm schlachtete, der Donner in den Lüften die Schar der Feinde verjagte, so mögen, wenn der Klang dieser Glocke die Wolken durchdringt, das Heer der Engel die Versammlung deiner Gemeinde beschirmen; die Feldfrucht der Gläubigen, ihren Geist wie ihren Leib rette dein immerwährender Schutz ...

Noch ein drittes Mal schreitet der Priester von Glocke zu Glocke. Er segnet jede mit dem Zeichen des Kreuzes, bei der GottVaterGlocke beginnend, und spricht dabei:

In honorem Patris –
In honorem Spiritus Sancti –
In honorem Christi, Regis et Salvatoris –
In honorem Matris et Reginae ter admirabilis.

Die Segnung ist vorüber. Jetzt kommen die Paten zu Worte. Die Hand auf die Glocke gelegt, sagen sie ihre Taufsprüche. Die Jugend

Marienglocke, dein eherner Mund
tue Mariens Herrlichkeit kund! ...

Die andern Paten folgen. Dann steigt der Priester (Pater Kentenich) zu seiner Freilichtkanzel empor und beginnt zu sprechen. Er führt etwa Folgendes aus:

Die zweite Gründungsurkunde nennt Schönstatt und die Schönstattkinder mit großer Dankbarkeit und heiligem Stolz Lieblingsschöpfung und Lieblingsbeschäftigung der Dreimal wunderbaren Mutter und Königin von Schönstatt. Wie häufig haben wir im Laufe der verflossenen Jahre, ja, wir dürfen sagen: im Laufe der verflossenen Jahrzehnte diese beglückende Tatsache an uns erfahren!

Auch die heutige schlichte Feier ist dafür ein beredter Beweis, ein beredtes Zeugnis ...

Wir wollen in dieser Woche die Dreimal wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt krönen als Königin der Welt. Sie läßt sich krönen, läßt sich auf den Thron erheben, nicht um darauf auszuruhen, sondern um durch uns einen Siegeszug in der Welt antreten zu können und zu dürfen ...

Ob wir die Schwere der Verantwortung spüren, die wir mit der Krönung auf uns nehmen? Müssen wir, dürfen wir nicht künftig, wir, die wir die Botschaft Schönstatts gekündet im kleinen Kreis, nun aus dem Tal hinaus auf die Höhe? Wenn das kleine Glöcklein des Kapellchens unten bisher die Botschaft von Schönstatt gekündet, muß dann nicht künftig ein kraftvolles Geläute sie hinausrufen über Tal und Berge ...

Wer schon einmal eine feierliche Glockenweihe mitgemacht hat, weiß, daß das Zeremoniell ein Waschen der Glocken von innen und außen verlangt, – ein Salben mit Krankenöl und Chrisam. Offenbar will die Glocke nach kirchlicher Auffassung gesehen werden wie ein Mensch, ein Priester. Ob sie eine priesterliche Aufgabe hat?

Der Priester darf Lehrer sein. Der Priester darf Hirte sein. Er darf im engeren Sinne Priester sein. Das ist auch die dreifache große Aufgabe, die unsere Glocken künftig haben: Als Lehrer sollen sie das Schönstattgeheimnis künden, als Hirten das Schönstattgeheimnis hüten, als Priester sollen sie helfen, es zu verwirklichen.

Lehrer des Schönstattgeheimnisses! Was lehrt uns die Marienglocke? Sie ist die kleinste. Wie Maria auf Erden klein war, Ancilla war, die Magd Christi, die Dienerin des Heiligen Geistes und des Vaters, so will die Marienglocke demütig, schlicht, bescheiden in die Welt klingen. Was kündet sie? Sie wirbt um ein Liebesbündnis, um ein vollkommenes Liebesbündnis mit der Dreimal wunderbaren Mutter und Königin von Schönstatt. Sie möchte aber die anderen Glocken mitklingen hören, sie möchte die anderen Glocken zum Klingen bringen, sie möchte, daß das Liebesbündnis mit Maria werde zum vollkommenen Liebesbündnis mit Christus, dem König, mit dem Heiligen Geiste und Gottvater.

So läutet, ihr Glocken, läutet die Botschaft Schönstatts hinaus in die Weite, die Botschaft vom vollkommenen Liebesbündnis der Welt mit Maria, mit Christus, dem Heiligen Geiste, dem Vater. Lehrt die Völker, daß dieses vollkommene Liebesbündnis die originelle Prägung erhält durch den vollkommenen Vorsehungsglauben, der den Gott des Lebens in den Krisen der Zeit sieht, seine Wünsche hört und Antwort darauf zu geben weiß durch Werktagsheiligkeit, – das vollkommene Liebesbündnis, das sich auswirkt in vollkommenem Sendungsbewußtsein. – So sollen die Glocken teilnehmen am Lehramt Christi. So sollen sie Lehrer sein.

Sie dürfen aber auch angesprochen werden als Teilnehmer am Hirtenamt der ewigen Liebe, als Hüter des Schönstattgeheimnisses.

Nach der kirchlichen Weihe sollen die Glocken die Gewitterstürme fernhalten, sie sollen mithelfen, den teuflischen Einfluß zu verscheuchen. Hört, ihr Glocken, das soll eure Aufgabe sein, alle Feinde fernzuhalten von diesem heiligen Land, wie die Gottesmutter das bisher in glänzender Weise getan hat. Es wird eure Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß der Teufel, der ganz antimarianisch eingestellt ist, den Weg in diese Welt nicht findet. Und wenn wir hierher kommen oder an Schönstatt denken und das Empfinden haben, wir werden nachlässig, wir glauben nicht mehr recht an das Schönstattgeheimnis, dann hütet doch das Schönstattgeheimnis in uns, bewacht und bewahrt uns; sorgt, daß wir immer wieder warm werden für das Schönstattgeheimnis und treu bleiben!

Hüter, Wächter seien die Glocken! Sie haben aber auch eine Funktion als Priester des Schönstattgeheimnisses. Ein heiliges Geläute sollen sie sein, den Äther wandeln in einen heiligen Äther. Eine Wandlungsaufgabe haben die Glocken zu erfüllen. Sie sollen helfen, daß wir innerlich umgewandelt werden in Maria, in Christus, in Gott, daß wir das lebendige Schönstattgeheimnis werden ...

Die Glocken sind gestiftet von unseren Jungmännern. Sie stellen deshalb stellvertretend unsere Jungmännerwelt dar. Was hier mitklingen mag? Es gab einmal eine Zeit, da war unsere männliche Jugend der große Träger des Schönstattgeheimnisses. Ob die Zeit vorbei ist? Haben nicht andere ihr nun den Rang streitig gemacht? Ob nicht in diesem Geschenk, im Geschenk der Glocken mitklingt ein gewisses Schuldbewußtsein, eine gewisse Bitte: Glocken, klingt hinaus in die Welt. Was wir nicht genug hinausgeklungen haben!? Wir sollten die Lehrer, die Hüter, die Priester des Schönstattgeheimnisses sein. Wir sind es so wenig gewesen.

Glocken, vertretet nunmehr unsere Stelle! Läutet hinaus in die Welt und läutet die Jungmänner nach Schönstatt! Läutet es allen in die Seele: Auch ihr habt eine Aufgabe im Schönstattreich: Werdet wieder Künder, Träger des Schönstattgeheimnisses, so wie die ewige Liebe das vorgesehen hat! Suchet eure Sendung zurückzuerobern!

Die Glocken wollen aber auch uns alle symbolisieren. So häufig wir ihren Klang hören, soll er uns in die Seele singen: Ihr alle, die ihr an Schönstatt glaubt, werdet mehr und mehr Kinder, Träger, Lehrer, Priester des großen Schönstattgeheimnisses.

So mögen die Glocken den Klang der kleinen Glocke unten auffangen. Sie mögen hinausklingen in die weiteste Welt, über Länder und Meere, bis von dort die Antwort erfolgt: Die Gottesmutter, die Dreimal wunderbare Mutter von Schönstatt, soll Königin des Weltalls werden. Und wir, ihre Werkzeuge, ihre Künder, wollen unsere ganze Aufgabe darin erblicken, uns für dieses Königtum einzusetzen, ob wir dafür leben oder sterben dürfen.

Nach dem Vortrag klingt das Heimatlied über unser Schönstatt-Tal hin. Die Jungmänner setzen die Glockenschwengel in Bewegung; feierliches, melodisches Geläute hallt in die Weite und empor zum Himmel, den Dreifaltigen Gott und die Gottesmutter lobpreisend. Wie mögen die Glocken erst einmal klingen, wenn sie auf hohem Turm hängen! In Gedanken versunken lauschen alle ...

Das Geläute verhallt. Der Priester schließt die Feier mit dem Segensgruß. Nos cum prole pia benedicat virgo Maria! Mit ihrem lieben Kinde segne uns die Jungfrau Maria!

www.urheiligtum.de - Die Website über das Urheiligtum der internationalen Schönstatt-Bewegung.

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