å Von den alten Türmen zu den neuen


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Von den alten Türmen zu den neuen

Aus: Altera Maria, 2. Jahrg., Nr. 1 vom 25. März 1932, S. 8 ff.

Das freut uns immer, wenn unsere Bundesschwestern Interesse zeigen an allem, was sich in der Heimat während ihrer Abwesenheit ändert. War das in den Nachweihnachtstagen ein Fragen und Gucken: „Noviziatshaus?“, „Schwester Anna in der Wildburg?“ Ja, auch bei uns gibt’s Neuigkeiten, – und euer Staunen und Fragen hat uns am besten bewiesen, daß ihr euch zu unserer Familie rechnet, und daß solche Wandlungen und Bewegungen auch denen draußen mitgeteilt werden müssen.

„Noviziatshaus“, – das ist das bisherige Schwesternhaus, unser altes Bundesheim bei der Kapelle. Woher der Name kam? Er war auf einmal da, – weil eben dieses Haus jetzt ganz für das Noviziat reserviert ist. Die jeweilige Novizenmeisterin ist zugleich Hausoberin. Mit einigen älteren Schwestern betreut sie die Novizlein. Der jetzige Kurs wird am 11. Februar 1932 wahrscheinlich zur Einkleidung kommen – 53 an der Zahl. Sie füllen mit ihren Erzieherinnen das alte Haus bis zum letzten Winkelchen.

Wir andern Schwestern sind in die Wildburg übergesiedelt. Unsere Generaloberin nahmen wir natürlich mit. Auch das Nähzimmer wurde nach hier unten verlegt. Neulich stand sogar der Möbelwagen vor Kretzers Häuschen und nahm die Habseligkeiten der Familie Kretzer mit, – weil unsere lieben, alten Türme sich so bedenklich zu neigen beginnen, daß der Einsturzgefahr wegen das Wohnhaus geräumt werden mußte. Wir bilden uns natürlich ein, daß die alten Türme, unsere treuen Kampfgesellen, zu wackeln beginnen, weil der Großteil der Schwestern weggezogen! Das hat ihnen doch sicher einen Stoß ins Herz gegeben, – so alte Türme haben meist ein weiches Gemüt.

Es war auch für uns nicht so einfach, von diesen Türmen wegzuziehen, – einmal der Türme wegen, dann noch mehr des Hauses wegen, das jede Schwester als Mutterhaus so warm gehegt, – und schließlich am meisten des Kapellchens wegen; denn die Geborgenheit, die wir im Kapellchen erleben, strahlt auch hinaus auf die nächste Umgebung, und es war doch immer ein beseligendes Gefühl in jenem alten Mutterhaus: „Die Mater ist dir ganz nahe“.

Am 28. Dezember 1931 begann der große Umzug. – 1. Tag: Packtag, alle Habseligkeiten mußten bis zum Abend in Körben und Kisten verstaut sein, und diese wurden im Vortragssaal hinten untergebracht. – 2. Tag: Transport: ein Lastauto mußte bis zum Abend hin und her fahren, bis die Körbe der anrückenden Novizlein oben und die unsrigen unten waren. Ein Teil der Schwestern war angestellt beim Transportieren – Kisten und Körbe mußten nämlich über den Hof bis ans Tor geschleppt werden, da das Auto nicht hineinfahren konnte. Die andern Schwestern mußten flink alle Räume blank scheuern, damit das Haus für die neuen Ankömmlinge ein freundliches Gesicht zeigte! Es war gut so, daß man vor Arbeit und Rummel nicht zur Besinnung kam, so konnte der Katzenjammer der zum Auszug Verurteilten nicht zum Durchbruch kommen. Vielleicht haben’s nur die feinfühligen Türme gespürt, was in uns vorging, – obgleich wir keine Miene verzogen, als wir nach vier Uhr stumm in unser neues Heim abzogen.

Zwar hat die Wildburg auch zwei Türme aufgesetzt – vielleicht, um uns zu versöhnen –, aber sie sind eben nicht so fromm wie die alten! Möglich, daß es uns gelingt, ihnen eine Seele einzuhauchen. Doch die Wildburg wird alle Tage wohnlicher, bald ist sie ganz ausgebaut. Wir hoffen auch, daß die Kapelle bis zum geplanten Einkleidungstag fertig ist und benützt werden kann! Manche von euch haben unsere Burg ja schon beguckt, die andern werden Ostern oder im Sommer das „neue Mutterhaus“ besichtigen.

Aber von der alten Heimat ist ja noch einiges zu erzählen: einmal, daß sich der Denkmalschutz um unsere lieben, romanischen Türme bemüht und noch einen Versuch macht, sie für einige Zeit zu stützen; ferner, daß im Noviziatshaus eine Hauskapelle eingerichtet ist im Schlafsaal Nr. 20, gegenüber der bekannten Doppeltür. Sie ist geräumig und faßt wenigstens alle Hausbewohner, die sich jeden Morgen dort zur Messe einfinden. – Nachts ist auch das Allerheiligste dort aus dem Kapellchen verwahrt, und die Novizlein bringen in nächtlicher Ehrenwache unsere persönlichen und Familiensorgen zum Heiland.

Und unser Heiligtum, unser Kapellchen, hat reichlich Alterserscheinungen. Es braucht notwendig einen neuen Boden – man plant auch einen neuen Altar –, es wird ja das Anliegen unserer ganzen Familie sein, unser Kleinod, unser Heiligtum richtig instand zu halten.

Auch im Bundesheim gibt’s demnächst einige Änderungen. Zwecks Raumgewinnung wird oben der Schlafsaal in neun Zimmer umgewandelt – und dafür auf dem Speicher ein neuer Schlafsaal eingerichtet. Auch aus dem Platz vor der Empore will man ein Zimmerchen schmieden – leider –, aber ihr seht, wie man alles tut, die Unterschlupfmöglichkeit zu verbessern.

Nun will ich noch verraten, wie stark im vergangenen Jahre (1931) das Bundesheim in Anspruch genommen war: Es waren 1352 Priester, 424 Akademiker, 703 Männer, 420 Jungmänner, 428 Gymnasiasten, 516 Bundes und Ligaschwestern, die an Tagungen, 185, die an Exerzitien teilnahmen, 314 Jungmädchen, 444 Lehrerinnen, die nicht der Bewegung angeschlossen sind, 142 Frauen und 576 Jungfrauen. Da freut ihr euch doch alle mit?

Bis ihr alle wiederkommt, gibt es sicher wieder Neueres und Neuestes. Darum sind wir ja „Bewegung“. Allen inzwischen herzlichen Gruß! Eine Marienschwester.

www.urheiligtum.de - Die Website über das Urheiligtum der internationalen Schönstatt-Bewegung.

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